Radweg auf der Neumannstraße – Stand Juli 2019

Die bisherigen Planungen werden fahrradfreundlicher überarbeitet und der Bezirk soll nun auch die Planung im bisher unberücksichtigten Nordteil in Angriff nehmen.

Angedacht ist die Radverkehrsanlage in der Neumannstraße schon seit mindestens 2010 und die Planungen standen 2017 auch schon kurz vor der Ausführung. Dann fanden die Berliner Wasserbetriebe sanierungswürdige Leitungen und auch nach dem im Juli 2018 verabschiedeten Berliner Mobilitätsgesetz konnten die alten Planungen so nicht umgesetzt werden.

Planung des Radwegs zwischen Wisbyer und Binzstraße wird überarbeitet

Wie 2018 bekannt wurde, beabsichtigen die Berliner Wasserbetriebe unter dem Abschnitt Thulestraße <=> Eschengraben einen neuen Regenwasserkanal zu verlegen. Hierfür wird als frühester Baubeginn der April 2020 benannt. Nach einer Bauzeit von voraussichtlich vier Monaten könnten dann die Arbeiten an der Radverkehrsanlage beginnen.

Für die Radverkehrsanlage waren ursprünglich auf beiden Straßenseiten fast durchgehend 1,5 m breite Schutzstreifen zwischen der Wisbyer und der Binzstraße geplant. Dazu käme dann der in Berlin übliche 0,5 m breite Sicherheitsstreifen zu den rechts parkenden Fahrzeugen. Auf einigen Abschnitten sollten auch 2 m breite Radfahrstreifen entstehen und zwischen Thulestraße und Eschengraben war auf der Ostseite ein kurzer Abschnitt ein so genannter geschützter Radstreifen angedacht. Diese Planung wurde so 2017 im Pankower Verkehrsausschuss vorgestellt (hier der ausführliche Bericht aus 2017).

Ursprungsplanung vorgestellt im Pankower Verkehrsausschuss 2017: Der Bereich kurz vor der Kreuzung Neumannstraße Ecke Thulestraße. Radstreifen (1) mit rechtsliegenden Parkplätzen (2) und der Bau von mit Pollern geschützten Radstreifen (3). Der nötige Platz wird durch die Aufhebung der Sperrflächen gewonnen (4).

Problematisch an dieser Planung sind die zu geringen Abstände der den Schutzstreifen nutzenden Radfahrenden zum ruhenden und fließenden Verkehr; der Sicherheitsabstand zu den rechts parkenden und den links überholenden Fahrzeugen ist zu gering. Darauf wies der ADFC Pankow 2018 hin: Halten Radfahrende den gebotenen Meter vom rechten Lenkerende zu den parkenden Fahrzeugen und fahren damit außerhalb der “Dooringzone“, so befindet sich ihr linkes Lenkerende direkt auf der Grenze des Schutzstreifens zur Fahrbahn. Die für den Autoverkehr verbleibende Fahrspur ist dann den Planungen 3,25 m breit und wird nach links baulich durch eine Mittelinsel und dem darauf befindlichen Parkstreifen begrenzt. Bei einer angenommen Fahrzeugbreite von 2 m wäre der vorgeschriebenen Mindestüberholabstand von 1,5 m gegenüber Radfahrenden so nicht einzuhalten.

Folie aus einer Präsentation des Pankower ADFC zur Übearbeitung der Planungen in der Neumannstraße: bei 3,25 m Restfahrbahnbreite ist kein regelkonformes und sicherer Überholen von Radfahrende durch Autos möglich.

Auch die Schülerinnen der Kurt-Tucholsky-Oberschule demonstrierten im September 2018 zusammen mit Greenpeace und dem Fahrradfreundlichen Netzwerk Pankow für eine breitere und sichere Radverkehrsanlage vor ihrer Schule.

Das Bezirksamt kündigte dann Ende 2018 im Pankower Fahrrat an diese Planung zu überarbeiten. Im Zuge der Ausführungsplanung, also der letzten Planungsstufe vor den Bauarbeiten, müssen die Überarbeitungen dann zwischen den beteiligten Stellen, also u.a. dem Planungsbüro, der bezirklichen Straßenverkehrsbehörde, der Verkehrslenkung Berlin und Berliner Wasserbetrieben, abgestimmt werden. Dabei sind folgende Umplanung und Änderungen vorgesehen:

  • Zwischen Binz- und Thulestraße sollen einheitlich 2,50 m breite und größtenteils geschützte Radfahrstreifen in Verbindung mit Wegfall der Längsparkstände angeordnet werden. Die geschützten Radfahrstreifen sollen die Sicherheit der radfahrenden Schülerinnen vor falsch haltenden und parkenden Elterntaxen vor den Schulen und Kitas entlang der Neumannstraße erhöhen.
  • Verzicht auf überbreite Kfz-Fahrstreifen durch Breitenreduzierung auf einheitlich maximal 3,25 m.
  • Verzicht auf separate Abbiegefahrstreifen an Kreuzungen ohne Ampel – so wie bspw. derzeit noch an der Kreuzung Elsa-Brändström-Straße / Neumannstraße.
  • Barrierefreier Ausbau der Bushaltestellen.

Im Hinblick auf die bauliche Umsetzung bleibt das Bezirksamt jedoch vorsichtig. Erst nach Abschluss der Arbeiten der Berliner Wasserbetriebe im Jahr 2020 ist der Bau des Radwegs auf dem südlichen Teil der Neumannstraße für 2020 avisiert.

Blick auf die Kreuzung Neumannstraße / Vinetastraße: Ebenso wie an der Kreuzung mit der Elsa-Brändsträm-Straße sollen auch hier die Abbiegefahrstreifen entfallen.
Schülerinnen der Kurt-Tucholsky-Oberschule demonstrieren zusammen mit Greenpeace im September 2018 für einen breiteren und baulich getrennten Radweg in der Neumannstraße.

Auch der nördliche Teil der Neumannstraße soll Fahrrad- und Fussverkehrsfreundlicher werden

Auch im bisher ausgeklammerten nördlichen Abschnitt der Neumannstraße zwischen Binz- und Granitzstraße sollen Umbauten die Sicherheit von zu Fuss Gehenden und Radfahrenden verbessern. Einen entsprechenden Auftrag hat die BVV im März 2019 dem Bezirksamt Pankow übermittelt. Neben der Fortführung der Radwegplanungen bis zur Granitzstraße soll auch das Queren der Neumannstraße für die Schülerinnen der Wolkenstein-Grundschule und der Rosa-Luxemburg-Oberschule erleichtert werden.

Die Neumannstraße kurz vor der borkumstrasse in Blickrichtung Norden. Die BVV hat das Bezirksamt ersucht, die Neumannstraße an diesem Abschnitt Rad- und Fussverkehrsfreundlicher umzubauen.
Die Neumannstraße kurz vor der Kissingenstraße in Fahrtrichtung Norden: Radfahrende müssen sich hier die Fahrbahn mit dem motorisierten Verkehr teilen. Ein regelkonformes Überholen von Radfahrenden mit mindestens 1,5 m Abstand ist hier derzeit nicht möglich.

Auch ein Ast des Radschnellweges “Panketrail” soll die Neumannstraße nutzen

Im Zuge des Mobilitätsgesetzes werden jedoch nicht nur bestehende Radwegeplanungen überarbeitet und fortgeführt. Das Land Berlin soll auch mindestens 100 km Radschnellverbindungen errichten. Laut Mobilitätsgesetz sollen sich diese Radschnellverbindungen durch besondere Qualitätsstandards in der Linienführung, der Netzverknüpfung, der Ausgestaltung und begleitenden Ausstattung sowie der Erkennbarkeit auszeichnen. Sie verknüpfen Bereiche mit hohen Quell- und Zielpotentialen, über größere Entfernungen und sollen durchgängig ein sicheres und attraktives Befahren ermöglichen (§ 45 MobG). Eine Radschnellverbindung mit dem Arbeitstitel “Panketrail” soll in Nord-Süd-Richtung über zwei südliche Äste auch den Bezirk Pankow erschließen.

Im Mai 2019 wurden die untersuchten Trassen des “Panketrails” vorgestellt: Die fachlich am besten bewertete und rot dargestellte Route führt auch über die Neumannstraße (D1).

Im Mai 2019 stellte die vom Berliner Senat für die Planung und den Bau von Radschnellwege beauftragte landeseigene infraVelo GmbH den bisherigen Arbeitsstand für den so genannten Radschnellweg “Panketrail” vor. So wurden bisher innerhalb eines vorgegebenen mehrere hundert Meter breiten Korridors verschiedene Trassenvarianten untersucht und bewertet. Der östliche Ast des Panketrails könnte demnach über die gesamte Neumannstraße über die Granitzstraße bis kurz vor die Stettiner Bahn geführt werden. Dort trifft er auf den westlichen Ast aus Richtung Nordbahnhof und führt dann weiter Richtung Karow.

Löst der Panketrail eine weitere Umplanung auf der Neumannstraße aus?

Von der Berliner Verkehrsverwaltung festgelegte Standards für Radschnellverbindungen an Hauptverkehrsstraßen. Quelle: Radschnellverbindungen im Berliner Stadtgebiet. Endbericht – Potenzialanalyse

Nach Angaben der Berliner Verkehrsverwaltung sollen Radschnellwege an Hauptverkehrsstraßen wie der Neumannstraße in eine Mindestbreite von 3 m pro Richtung ausgeführt werden. In den bisherigen Ankündigungen zur Überarbeitung der Radverkehrsplanung in der Neumannstraße werden dagegen “nur” 2,5 m breite Radstreifen angekündigt. Ob und wenn ja wie der “Panketrail” damit eine weitere Umplanung oder sogar einen erneuten Umbau der Neumannstraße auslöst ist bisher noch offen.

Denn bis die ersten Radfahrende den offiziellen “Panketrail” befahren werden, wird noch einige Zeit vergehen: Nach Angaben der infraVelo soll die Machbarkeitsuntersuchung für den “Panketrail” im dritten Quartal 2019 abgeschlossen sein. Erst danach beginnt der sich daran anschließende Planungsprozess, für den mindestens 30 Monate zu berücksichtigen sind. Mit einem Baubeginn ist also erst ab 2022 zu rechnen – und zu diesem Zeitpunkt soll zumindest der südliche Teil der Neumannstraße bereits mit Radverkehrsanlagen ausgestattet sein.

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